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DER NAME DER PRESSE
datum 31.08.2010
rubriek Podium
Die mediale Landschaft Flamens unterscheidet sich erheblich von jener Deutschlands. Besonders offensichtlich wird dies in der Kulturberichterstattung / Der Versuch eines Vergleichs.
Kein konzeptioneller und auch kein ästhetischer Unterschied zu heimischen Theaterfestivals fällt dem deutschen Gast zunächst ins Auge, sondern ein medialer: Journalisten, PR-Profis und Veranstalter scheinen in der kulturellen Landschaft Flamens enger zusammen zu arbeiten als in Deutschland. Das vielleicht beste Beispiel hierfür lesen Sie gerade: unseren Dagkrant, kritischer Begleiter des Het Theaterfestival, Sprachrohr des Veranstalters und Werbeorgan zugleich. Vergleichbare Publikationen gibt es in Deutschland kaum. Zwischen den großen Stadttheatern und der schreibenden Zunft gibt es eine klare Trennlinie, welche mit ebenso großen Vorteilen wie Nachteilen verbunden ist.

Die Vorzüge resultieren aus der weitgehenden Unabhängigkeit der Theaterkritiker von den Veranstaltern: ihre Rezensionen – so sie nicht vor handwerklich oder fachlichen Mängeln strotzen – sind für das Publikum von hoher Glaubwürdigkeit geprägt, zumindest insofern persönliche Meinungsartikel überhaupt Glaubwürdigkeit für sich reklamieren können. Auch bleibt für den Leser - wenigstens in den hochwertigen Printmedien – transparent, wo der Journalismus beginnt, wo die PR endet. Auch konkurrieren die – vergleichsweise vielen – Zeitungen und Zeitschriften stark miteinander. Der Leser profitiert von dieser Konkurrenz: sie spiegelt sich in der Vielfalt aus kulturpolitischen Meinungsartikeln sowie klassischen Rezensionen.
Dies wäre für Flamen nicht vorstellbar. Gerade einmal 15 hauptberufliche Theaterkritiker arbeiten hier, weiß Don Verboven, Intendant des Het Theaterfestival. Entsprechend dünn fällt das Feedback aus, das Veranstalter wie Verboven über die Medien erfahren. Umso dünner, als das Festival keine Premieren zeigt, mit dem Resultat, dass die wenigen überregionalen Zeitungen von vornherein abwinken, wenn es gilt, die Produktionen des Festivals zu rezensieren: dies sei ja längst geschehen, zur Premiere nämlich, so das Argument.

Ein Argument, das auch Thomas Kraus, Leiter des Oldenburger Pazz-Festivals, keinesfalls fremd ist. Allein: über sein – dem Het Theaterfestival sehr ähnlichem – Festival finden sich dennoch etliche Artikel in regionalen wie überregionalen Printmedien (allein der Autor dieser Zeilen durfte für eine Fachzeitschrift, eine überregionale Tageszeitung sowie für zwei Regionalzeitungen über Pazz schreiben). Die Verhältnisse in Deutschland sind anders, die Theater, ebenso die Kulturjournalisten klagen auf hohem Niveau.
Doch zurück zu Don Verboven und dem Festival. Hier ist es dem Leiter geglückt, aus der vermeintlichen Not eine tatsächliche Tugend zu machen. Mit einem Podcast wie eben mit dem Dagkrant initiiert das Festival sein eigenes öffentliches Feedback – mit bestechendem Erfolg: viele Schauspieler, Regisseure und Theatermacher verfolgen den Dagkrant aufmerksam, wie uns, der Redaktion, nicht entgangen ist. Umso aufmerksamer, als Verboven dem Blatt große redaktionelle Freiheit einräumt. Mit Carmen Van Cauwenbergh leitet eine unabhängige Redakteurin das Dagkrant-Team. Auch 'böse' Kritiken finden sich in unserer Zeitung, ja: sind sogar erwünscht – weil sie die Debatten um das Festival beflügeln, den Dialog zwischen den Theatermachern und ihrem Publikum fördern.

Womit wir zum letzten wichtigen Aspekt dieses – zugegebener Maßen – ebenso subjektiven wie lückenhaften Quervergleichs zwischen Deutschland und Flamen kommen: das Bewusstsein letztlich doch im selben Boot zu sitzen, nämlich in jenem der Kultur, scheint dem deutschen Gast des  Festival in Flamen viel ausgeprägter zu sein als es in Deutschland ausgebildet ist. Hier steht der Kritiker stets „auf der anderen Seite“ des Kulturschaffenden, fast, als wäre er ein Feind - vielleicht im Sinne des Lesers, nicht aber unbedingt zum Wohle der gemeinsamen Sache.
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